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Ärger über die Tissot Touch Solar

Disclaimer: Wer sich nicht für Uhren interessiert, braucht das echt nicht zu lesen, aber ich muss den Ärger loswerden. Und falls ihr in dieser irren Welt zur Abwechslung mal was über banale First-World-Problems lesen wollt, ist das genau der richtige Text.

Update 24.8.2021: Tissot hat aufgrund dieses Blogbeitrags Kontakt mit mir aufgenommen und angeboten, dass ich die Uhr noch einmal kostenlos einschicken kann und sie geprüft wird. Unabhängig davon, was dabei heraus kommt, freut mich das Angebot.

Wart ihr als Kinder und Jugendliche auch Fans der Digitaluhren? Für mich war das damals der Höhepunkt der Technologie, ich habe tatsächlich von Digitaluhren geträumt und ich weiß noch heute wie glücklich ich mit meiner ersten war (die Stoppuhr, allein die Stoppuhr!!!).

Die Freude an solchen Uhren ist mir geblieben, folglich war ich zumeist mit einer Casio am Handgelenk unterwegs. Und glücklich damit.

2016 wollte ich mich für einen Karriereschritt belohnen – also warum nicht mal richtig viel Geld für eine neue Uhr ausgeben. Wobei: Richtig viel Geld ist natürlich relativ, gerade bei Uhren. Mein Budget lag bei ca. 1.000 Euro. Entschieden habe ich mich für eine Tissot Touch Solar – schaut gut aus und hat ausreichend sinnlose Funktionen: Höhenmesser, Kompass, Stoppuhr mit massenhaft Rundenzeiten, etc. Weniger sinnlos ist das Solar – viele Jahre ohne Batteriewechsel sind eine gute Sache.

Casio vs Tissot

Warum ich die Entscheidung für diese Uhr bereue, illustriere ich durch einen Vergleich mit der Uhr, die ich davor hatte: Einer Casio-Seapathfinder-Tough Solar; gekauft irgendwann zwischen 2002 und 2005. Alle Angaben sind aus dem Gedächtnis, daher ohne Gewähr, aber die Größenordnung stimmt. Der Preis lag bei rund 100 Euro, der Funktionsumfang war erstaunlich, vor allem weil ein Tiefenmesser fürs Tauchen mit dabei war. Die Uhr hat mindestens zwölf Jahre gehalten, ohne Batteriewechsel, ohne Bandwechsel, ohne Funktionseinbußen und ohne gröbere Gebrauchsspuren.

Die Tissot hat knapp das zehnfache gekostet. Das rote Kautschuk-Band war nach weniger als einem Jahr nicht mehr schön – die aufgerauhte Fläche war glatt gerieben. Naiv ich wie ich war, wollte ich das reklamieren, das billige Plastikband der Casio sah nach den zwölf Jahren schließlich besser aus. Mir wurde allerdings mitgeteilt, dass das eine normale Abnutzung sei. Ein neues Band koste 135 Euro, also mehr als die gesamte Casio.

Ärgerlich, aber noch kein Grund für hysterische Ausfälligkeiten. Noch war mir die Uhr halbwegs sympathisch, also investierte ich 200 Euro in das Titanband, das oben zu sehen ist, und redete mir ein, dass das sowieso besser aussieht. Knapp zwei Jahre später zeigt sich im Digitalbereich in der Ecke links unten ein Schaden. Noch nicht ganz so groß wie oben auf dem Bild, aber doch gut erkennbar.

Der tiefe Fall

Die Uhr ist fast drei Jahre alt, aber dennoch müsste so etwas Tissot doch peinlich sein, also ab zum zertifizierten Tissot-Händler. Den interessiert das reichlich wenig. Er geht davon aus, dass sie mir mal herunter gefallen ist. Gefallen, und zwar ins Bodenlose, ist inzwischen meine Freude an der Uhr. Klar könne man sie einschicken, aber da hilft nur ein Wechsel von irgend was Großem, den ich selbst bezahlen müsste.

Ich kann mich nicht erinnern, dass mir die Uhr je herunter gefallen wäre, ich kann mich allerdings sehr wohl erinnern, dass die Uhr zahlreiche Outdoor-Features hat. Hinzufallen gehört offensichtlich nicht dazu.

Jedenfalls trage ich die Uhr kaum noch, in den seltenen Fällen kann ich beobachten, wie die kaputte Fläche größer wird – ganz ohne weitere Luft-Boden-Gravitation-Interaktion. Nicht nur die Uhr war eine Enttäuschung, sondern auch der Service von Tissot. Der Hersteller hält es offensichtlich für vollkommen normal, dass ein Band nicht länger als ein Jahr hält und eine Digitalanzeige einer Abenteuer-Uhr kaputt geht, wenn sie herunter fällt.

Die Bilanz

Ich möchte mich bei Casio für die Untreue entschuldigen. Jahrzehnte haben mir Casio-Uhren alles geboten, was ich von günstigem Digitalschrott erwarte, es gab wirklich keinen Grund, sich anderswo umzuschauen. Ich bereue. Im Alltag trage ich derzeit eine Smartwatch, doch für Abenteuer brauche ich etwas Eigenständiges – ohne Akku und ohne Verbindung zur Welt. Ich weiß, was es dann wird – und was nicht.

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